Fieber senken ja oder nein
Darüber scheiden sich die Geister
Jeder, der schon einmal hohes Fieber hatte, weiß, wie unangenehm dieses Symptom eines grippalen Infektes ist und wie gerne man es loswerden möchte. Andererseits rückt immer mehr die Erkenntnis in den Vordergrund, dass das Fieber eine sehr nützliche Reaktion des Körpers im Rahmen der Abwehr der Krankheitserreger ist. Was also tun: Fieber senken ja oder nein?
Gleich vorweg: eine allgemein gültige Antwort gibt es leider nicht. Fieber ist eine Körperkerntemperatur, die über den Normwert von rund 37 Grad Celsius hinausgeht, wobei man zunächst von erhöhter Temperatur und erst bei 38,5 Grad und mehr von Fieber spricht. Die Werte sind allerdings je nach Messmethode (oral, axillär, rektal, im Ohr) unterschiedlich. Es handelt sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern Fieber ist eine wichtige und sinnvolle Abwehrreaktion unseres Immunsystems, die meist durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird. Ein bestimmter Bereich des Gehirns, der Hypothalamus, stellt dabei den inneren Sollwert höher, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Ausgelöst wird dieser Vorgang durch Botenstoffe (endogene Pyrogene), die von den Immunzellen gebildet werden, wenn sie auf Viren oder Bakterien treffen. Fieber ist ein zentraler Bestandteil der Immunantwort, der wiederum zur Ausschüttung von Botenstoffen führt. Damit werden weitere Immunzellen aktiviert, das Wachstum der Erreger gehemmt und die bakterizide Wirkung bestimmter Immunzellen gesteigert.
Andererseits gilt es zu bedenken, dass Fieber den Stoffwechsel belastet. Der Sauerstoffbedarf steigt und das Risiko für Krampfanfälle ebenso. Risikopatienten (Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen) haben eine erhöhte Gefahr der Dehydration. Daher ist ausreichende Flüssigkeitsaufnahme bei Grippe und grippalen Infekten, die mit Fieber einhergehen, so wichtig. Es gibt keine abschließend wissenschaftliche Klärung, ob Fieber gesenkt werden soll oder nicht. Fiebersenkung beeinflusst meist nur den Allgemeinzustand, nicht aber den Krankheitsverlauf. Entscheidend für den Einsatz von Antipyretika (= Fiebermittel), ist in erster Linie der Gesundheitszustand. Bei sehr hohem Fieber und Fieber in Kombination mit starken Schmerzen oder starker Erschöpfung wird man eher zu einem Fiebermittel greifen, als bei nur gering erhöhter Temperatur. Nicht-medikamentöse Maßnahmen können unterstützend angewendet werden wie z. B. lauwarme Wadenwickel. Diese sollte man aber nur bei warmen Extremitäten anwenden. Körperliche Schonung und viel Schlaf sind sehr wichtig.
