LEXIKON - Tormentill

Tormentill

Die Blutwurz ist eine altbewährte Heilpflanze

Die Blutwurz (Potentilla erecta), auch als aufrechtes Fingerkraut, Tormentill, Rotwurz oder Dilledapp bezeichnet, ist eine krautige, zu den Rosengewächsen zählende, Pflanze, die aus einem kräftigen Rhizom wächst. Die Schnittfläche dieses Rhizoms läuft blutrot an. Es ist sehr gerbstoffreich und wird unter anderem auch zur Herstellung eines Likörs verwendet, der die Verdauung unterstützt.

Die Blutwurz ist ein sehr altes Heilmittel. Auch die Äbtissin Hildegard von Bingen erwähnte diese Pflanze. Das aufrechte Fingerkraut diente aber nicht nur als Heilpflanze, sondern wurde auch zum Färben von Stoffen verwendet. Im Jahr 2024 wurde Tormentill in Deutschland zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Das Rhizom der Heilpflanze wird im Herbst oder Frühjahr ausgegraben, getrocknet und zerkleinert. Sobald die Schnittfläche der Wurzel mit Sauerstoff in Kontakt kommt, färbt sie sich blutrot an. Auch die Tinktur oder ein Tee der getrockneten Wurzel färben sich stark rot. Diese Tatsache und die blutstillende Wirkung der Wurzel haben vermutlich dazu geführt, dass die Pflanze den Namen Blutwurz erhielt. Wirksame Inhaltsstoffe von Tormentill sind die Tannine (Gerbstoffe), Flavonoide, Glykoside uvm. Blutwurz wirkt stark zusammenziehend (adstringierend) und entzündungshemmend. In Laborversuchen hat der Saft der Pflanze eine hemmende Wirkung auf Viren und Bakterien gezeigt. Die blutstillende Wirkung von Tormentill wird schon seit dem Mittelalter geschätzt. 

Tormentill wird sowohl innerlich als auch äußerlich empfohlen. Man verwendet Zubereitungen davon für Spülungen oder Pinselungen bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Entzündungen des Zahnfleischs und anderen Erkrankungen des Rachens. Durch die zusammenziehende Eigenschaft entsteht eine Schutzschicht auf dem entzündeten Zahnfleisch, was Schmerzen lindert und den Heilungsprozess unterstützt. Spülungen mit Blutwurz sind zudem hilfreich bei Hämorrhoiden und Verbrennungen. Adstringierend wirkende Pflanzen werden auch in der Behandlung von Durchfallerkrankungen empfohlen. Magenstärkung ist ein weiteres Einsatzgebiet. 

Blutwurz ist allgemein gut verträglich. Nur in größeren Mengen kann sie, bei empfindlichen Personen, Magenbeschwerden bis hin zu Erbrechen hervorrufen.