Co-Enzym Q10 und Schlaganfall
Neue Zusammenhänge
Die vitaminähnliche Substanz Co-Enzym Q10 erfüllt viele Aufgaben im menschlichen Organismus. Ubiquinon, so wird Q10 auch bezeichnet, ist wichtig für die Energiegewinnung und die Membranstabilisierung. Zudem wirkt es stark antioxidativ und stärkt das Immunsystem. Ein Mangel an Q10 zeigt sich vor allem in jenen Organen, die besonders viel Energie benötigen. Dazu gehört unter anderem auch das Gehirn.
Ein Schlaganfall gehört, mit Herz- und Krebserkrankungen, zu den weltweit häufigsten Todesursachen. Ältere Menschen sind besonders oft betroffen und Männer mehr als Frauen. Aufgrund der modernen Behandlungsmethoden in den extra eingerichteten Stroke Units hat sich glücklicherweise die Sterberate reduziert, obwohl die Zahl der Schlaganfälle im Zunehmen ist. Zu den größten Risikofaktoren gehören: hohes Lebensalter, genetische Veranlagung, Stress, starker Alkoholkonsum und Hormonersatztherapie in den Wechseljahren. Ob das Vorhandensein von Mikroplastik in den Blutgefäßen auch einen Risikofaktor darstellt, wird derzeit noch kontrovers diskutiert.
Die meisten Schlaganfälle (mehr als 80 Prozent) basieren auf einer Durchblutungsstörung (Ischämie) des Gehirns. Eine Hirnblutung liegt nur in 10 – 20 Prozent der Fälle zugrunde. Die Ischämie wird durch eine Arteriosklerose der hirnversorgenden Blutgefäße und/oder aufgrund eines Gerinnsels, das eine Hirnarterie verstopft, ausgelöst. Blutgerinnsel entstehen meist im Herzen aufgrund von Vorhofflimmern. Wegen der Durchblutungsstörung werden im betroffenen Areal des Gehirns die Nervenzellen nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und gehen zugrunde. Dies führt zu diversen Ausfallserscheinungen (Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Schluckstörungen, …).
Die absolut wichtigste präventive Maßnahme ist die Verringerung der kardiovaskulären Risikofaktoren. Dies kann durch Ernährungsumstellung, Nikotinverzicht, Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung und Blutdruckkontrolle erfolgen. Wurde ein Vorhofflimmern diagnostiziert, dann müssen entsprechende Medikamente eingenommen werden. Hohe Werte an Cholesterin und Triglyceriden müssen gesenkt werden, um das Arteriosklerose-Risiko zu minimieren. Dazu werden häufig Statine verabreicht. Hier kann es jedoch zu muskuloskelettalen Nebenwirkungen kommen. Ein Review-Artikel aus dem Jahr 2024 hat ergeben, dass eine Q10-Supplementierung Statin-induzierte muskuloskelettale Symptome signifikant lindern kann, ohne dass Co-Enzym Q10 selbst Nebenwirkungen verursachen würde. Man hat festgestellt, dass Statine die Blutwerte an Q10 senken. Vermutlich sind die durch die Statintherapie hervorgerufenen Muskelbeschwerden auf dieses Absinken an Q10 zurückzuführen und eine entsprechende Ergänzung kann daher vorbeugen. In Untersuchungen an Schlaganfall-Patienten wurden geringere Q10 Werte festgestellt als bei gesunden Personen. Dies ist aber nicht nur auf Statin-Einnahme zurückzuführen, sondern auch auf eine schlaganfall-spezifische Q10-Senkung.
CO-ENZYM Q10
Das Co-Enzym Q10 gehört in die Gruppe der Ubiquinone. Der Name liefert bereits einen Hinweis dafür, dass diese Substanz sehr häufig vorkommt (ubi = überall vorhanden). Tatsächlich werden Ubiquinone von einer Vielzahl von Organismen des Tier- und Pflanzenreiches gebildet. Auch der Mensch ist zur Eigensynthese befähigt. Ausgangsstoffe für die Eigensynthese im menschlichen Organismus sind die Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin, weiters Mevalonsäure und Acetat.
Ein Großteil des Q10‘s ist in den Mitochondrien der Zellen (Ort der Energiegewinnung) zu finden. Organe mit besonders hoher metabolischer Aktivität brauchen besonders viel Co-Enzym Q10 (Herz, Muskulatur, Gehirn, Nieren, Bauchspeicheldrüse). Ubiquinon ist essenziell für die Gesundheit aller Gewebe und Organe. Man findet erniedrigte Plasmaspiegel bei Diabetes mellitus, Herzschwäche, Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen.
Die Mehrheit des im Körper vorhandenen Q10‘s kommt von der Nahrung. Nur ein kleinerer Teil wird in der Leber selbst erzeugt. Q10 findet man vor allem in Rindfleisch, Leber, Herz, Geflügel, Schaf, Fisch und Hefen. Auch Pflanzen enthalten Q10, jedoch nur geringe Mengen. Durch die heutige Herstellung und Haltbarmachung von Lebensmitteln wird, wie bei Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, ein Teil des natürlichen Q10-Gehaltes in der Nahrung zerstört.
Q10 UND SCHLAGANFALL
Oxidativer Stress, Entzündungsreaktionen und die Verringerung des Brain-Derived Neurotrophic Factors (BNDF) sind am Zelltod während der Minderdurchblutung des Gehirns beteiligt. Der BDNF ist ein im Gehirn gebildetes Protein aus der Gruppe der Neurotrophine, das entscheidend für das Wachstum, Überleben und die Vernetzung von Nervenzellen ist. Es wird oft als „Dünger“ für das Gehirn bezeichnet, da es die synaptische Plastizität fördert, was für Lernen, Gedächtnis und neuronale Gesundheit essenziell ist. Eine wichtige Aufgabe von BDNF ist der Schutz von Neuronen und Synapsen. Ein niedriger BDNF-Spiegel wird mit Krankheiten wie Depressionen und Demenz in Verbindung gebracht.
Einer neueren Untersuchung zufolge kann die Einnahme von Co-Enzym Q10 helfen, den Schutz der Neuronen und die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten zu verbessern. In dieser Studie erhielten die Patienten 600 mg Co-Enzym Q10 pro Tag. Es zeigte sich eine Reduktion des oxidativen Stresses und der Entzündungsparameter sowie ein Anstieg von BDNF. Mit der Gabe wurde 24 Stunden nach dem Ereignis begonnen. Weitere Studien sollten folgen, um diese Ergebnisse zu untermauern.
