THEMA - Das schleichende Vergessen

Das schleichende Vergessen

Vitalstoffe für geistige Fitness

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt an und wir fürchten uns davor, dass wir das Mehr an Lebensjahren nicht genießen können, weil unser Gehirn nicht mehr mitmacht. Demenz ist ein Damoklesschwert, das drohend über uns hängt. Glaubt man den Prognosen, so dürfte sich die Zahl der Demenzerkrankungen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts hin fast verdoppeln.

Viele Wissenschaftler suchen nach Möglichkeiten der Therapie bzw. der Prophylaxe. Nicht jede Vergesslichkeit, die im Alter auftritt, muss gleich ein Anzeichen von Alzheimer sein. Auch wenn das Gehirn im Alter an Volumen verliert, können ältere Menschen über erstaunliche Hirnleistungen verfügen. Wer jedoch nach der Schule kein Buch mehr in die Hand nimmt, wird mit zunehmendem Alter ein schlechteres Gedächtnis haben, als jemand, der sein Gehirn fleißig trainiert. Wer rastet, der rostet, gilt nicht nur für den Körper (die Muskulatur), sondern auch für die Gehirnzellen. Vielfalt im Training ist wichtig. Ein neues Hobby ausprobieren, einen Sprachkurs absolvieren, Puzzle bauen – Möglichkeiten gibt es viele. Desto mehr unterschiedliche Impulse, desto besser. Soziale Kontakte tragen ebenso zum Gehirntraining bei.

Wissenschaftler beschäftigen sich intensiv mit Möglichkeiten der frühzeitigen Feststellung eines erhöhten Demenzrisikos. Sie können heutzutage bereits erkennen, ob ein Gehirn so alt ist wie der dazugehörige Mensch, jünger oder älter. Vielleicht gibt es in naher Zukunft sogar Demenz-Vorsorgeuntersuchungen, um frühzeitig mit einer Therapie beginnen zu können.

So wie der Körper altert, so altert auch das Gehirn. Was aber trägt zu zusätzlicher Schädigung bei? Freie Radikale schaden allen Körperzellen und somit auch den Hirnzellen. Die Zellmembranen des ZNS (Zentralnervensystems) sind ein guter Angriffspunkt für Oxidationsprozesse, da sie einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aufweisen. Während der Gehirnarbeit werden sehr viele freie Radikale gebildet. Mit zunehmendem Alter kommt es auch zu degenerativen Veränderungen von Proteinen. Derartig veränderte Eiweiße verlieren ihre normale Funktionsfähigkeit und es entstehen sogenannte AGE „Advanced Glykation End Product“. Sie blockieren zelluläre Transportsysteme und induzieren die Produktion von freien Radikalen. Die oxidative Belastung nimmt um ein Vielfaches zu, es kommt zu Überkreuzbindungen und zur Bildung von Amyloid.

Welche Vitalstoffe sind für das Gehirn von besonderer Bedeutung?

B-VITAMINE

Jeder weiß, dass B-Vitamine für den Nervenstoffwechsel sehr wichtig sind. Vitamin B1 (auch Thiamin genannt) wird benötigt zur Produktion des Neurotransmitters Acetylcholin. Auch im Kohlenhydrat- und Energiestoffwechsel spielt B1 eine große Rolle. Nur mit diesem Vitamin können Kohlenhydrate vollständig in Glucose zerlegt werden, das einen wichtigen Nährstoff für das Gehirn und die Nerven darstellt. Vitamin B6 (Pyridoxin) gilt als Nervenvitamin, da es an der Bildung von Neurotransmittern, an der Umwandlung von Tryptophan zu Niacin und an der Synthese von Lipiden der Myelinschicht beteiligt ist. Vitamin B9 (Folsäure) unterstützt die Aminosäuresynthese und ist für die Nervenfunktion und die Energieproduktion wichtig. Vitamin B12 (Cobal-amin) ist am Aufbau der Nervenhüllen beteiligt. Ein Mangel an B-Vitaminen führt unter anderem zu Konzentrations- und Schlafstörungen, Nervenschwäche und depressiven Verstimmungen.

CARNOSIN

Carnosin ist eine normalerweise im Körper vorkommende Eiweißsubstanz (Dipeptid), die sich aus den Aminosäuren Beta-Alanin und L-Histidin zusammensetzt. Das Carnosin-Niveau im menschlichen Körper sinkt mit dem Alter und entspricht in etwa der altersbezogenen Abnahme an Muskelmasse. Carnosin ist ein multipotentes Agens für Langlebigkeit, da es in verschiedene „altmachende“ Vorgänge eingreift. Im Gehirn schützt Carnosin die Nervenzellen vor Giften, Proteinüberkreuzbindungen, Glykosylierung und vor allem vor Oxidation der Zellmembranen. Beta-Amyloid (=altersbedingte Ablagerung), das in großen Mengen im Gehirn von Alzheimer-Patienten zu finden ist, schädigt die Gehirngefäße, wodurch die Nährstoffversorgung geschwächt ist. Damit werden die Zellen noch anfälliger für schädigende Stoffe. Carnosin wirkt dem entgegen. Wie Laborexperimente gezeigt haben, kann Carnosin sogar den Abbau von Amyloid-Ablagerungen unterstützen. 

CHOLIN

Phosphatidylcholin liefert dem Körper einen wichtigen Baustein zur Produktion des Neurotransmitters Acetylcholin (einer der wichtigsten Botenstoffe). Ein ausgeglichener Acetylcholinspiegel sorgt für schnelles Denken und ist hilfreich für ein gutes Gedächtnis. Acetylcholin hält die Membranen der Nervenzellen intakt, einschließlich der Synapsen = Kommunikationspunkte zwischen den Hirnzellen. Je höher die Konzentration an Acetylcholin, desto höher ist die geistige Leistungsfähigkeit. Cholin sorgt auch dafür, dass die Myelin-Schutzschicht der Gehirnzellen ihre Viskosität bewahrt und somit der Zellstoffwechsel optimal funktionieren kann. Außerdem hat Cholin eine nervenberuhigende und –stärkende Wirkung.

GINKGO

Ginkgo verbessert den Stoffwechsel im Gehirn und die Fließeigenschaften des Blutes wodurch der lokale Blutfluss deutlich ansteigt. Ginkgo unterstützt das Kurz- und Langzeitgedächtnis und steigert das Lernvermögen. Mit zunehmendem Alter geht die Zahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen zurück. Auch werden die Rezeptoren für Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) immer weniger. Dadurch wird die Weiterleitung von Informationen zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt und die Gedächtnisleistung nimmt ab. Ginkgo kann diese Defizite zwar nicht beseitigen aber deutlich verringern. Die in den Ginkgo-Blättern enthaltenen Flavonoide sind auch wichtige Antioxidantien. Dadurch werden die Nervenzellen vor freien Radikalen geschützt. 

GINSENG

Ginseng erhöht die Ausschüttung verschiedener Neurotransmitter (Dopamin, Noradrenalin, Serotonin) und fördert so die Gehirnaktivität. Vermutlich hat Ginseng auch zellschützende Effekte. Mit Hilfe von Ginseng wird die Stimmung gehoben, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit wiederhergestellt und die Rekonvaleszenz unterstützt. Konzentration und Aufmerksamkeit werden gesteigert, Reaktionszeit und Koordination verbessert, die Ermüdbarkeit wird verringert. Die Ginseng-Kur putscht jedoch nicht auf und führt nicht zu Schlaflosigkeit.

NADH

oft auch als Co-Enzym 1 bezeichnet, spielt eine wichtige Rolle in der Atmungskette. Der Wasserstoff (H) von NADH wird abgegeben und mit Sauerstoff zu Wasser verbunden. Dabei wird Energie frei. Je mehr NADH in den Zellen zur Verfügung steht, desto mehr Energie kann produziert werden. Besonders viel Energie und damit auch NADH benötigen unser Gehirn, das Herz und die Muskulatur. Es schützt uns vor geistig-körperlicher Erschöpfung und fördert die geistige Aktivität und Konzentration. Darüber hinaus wirkt NADH auch antioxidativ und schützt damit vor der zerstörenden Kraft der freien Radikale. Außerdem stimuliert es die Produktion körpereigener Neurotransmitter (z. B. Dopamin, Noradrenalin) und schützt den gesamten Organismus vor Umwelt-Schadstoffen.

OMEGA-3 FETTSÄUREN

Da Omega-3 Fettsäuren den Blutfettspiegel positiv beeinflussen, tragen sie zu einer besseren Durchblutung bei. Auf das Gehirn gibt es jedoch auch noch andere Effekte. Die Fettsäure DHA ist in den Zellmembranen der Gliazellen (Stützgewebe des Nervensystems) eingebunden und hier für die gute Funktion verantwortlich. So können die Nervenzellen gut miteinander kommunizieren.  Die entzündungshemmenden Eigenschaften der Omega-3 Fettsäuren helfen zudem dabei, das Gehirn vor Schädigung zu schützen. 

PHOSPHATIDYLSERIN

Phosphatidylserin ist eines der bedeutsamsten Phospholipide im Gehirn. Phospholipide sind wichtige Bausteine der biologischen Zellmembran. Besondere Bedeutung besitzen sie für die Nervenzellen, wo sie eine wesentliche Rolle in der Verarbeitung und Übertragung von Informationen spielen. Phosphatidylserin ist an der Weiterleitung von chemischen Botschaften ebenso beteiligt wie an der Speicherung und Abrufbarkeit von Informationen. Phosphatidylserin aktiviert die verschiedenen Enzyme des Nervenzellstoffwechsels. Es hat positiven Einfluss auf die Gedächtnis- und Sprachleistung sowie Lern- und Konzentrationsfähigkeit. Phosphatidylserin bewirkt eine Zunahme der Acetylcholin-Rezeptoren, eine Erhöhung der Dopaminabgabe, eine Verbesserung der Signalstoffproduktion des Gehirns und reguliert die Produktion von Stresshormonen.